Unterstützung einer Studie

Die Gesellschaft der Freunde des Deutschen Herzzentrums Berlin e.V. unterstützt die Durchführung von Förderprojekten und wissenschaftlichen Arbeiten.

2015 finanzierten die Herzfreunde die Durchführung der Studie “Kardiales reverse Remodelling 5-7 Jahre nach ablativer Behandlung des Vorhofflimmerns“ unter der Leitung von Priv. Doz. Dr. med. Charalampos Kriatselis, einem der führenden Experten auf dem Gebiet der Kardiologie am Deutschen Herzzentrum.

Ziel dieser neuer Studie ist es, anhand magnetresonanztomographischer (MRT) Untersuchungen strukturelle und funktionelle Veränderungen am Herzen 5 bis 7 Jahre nach einer Behandlung des Vorhofflimmerns durch Katheterablation zu untersuchen.

Bei einer Katheterablation wird über ein Gefäß (in der Regel von der Leiste aus) ein Spezialkatheter bis zum Herzen geschoben, um dort die Strukturen zu veröden, die für die Übertragung der elektrischen Impulse und damit für die Rhythmusstörungen verantwortlich sind. Diese Verödung kann durch Hitze, Kälte oder Laserstrahlen  erfolgen.

Vorhofflimmern ist die häufigste Rhythmusstörung und geht mit einer gesteigerten Mortalität und Morbidität einher. Das Erkrankungsrisiko steigt mit zunehmendem Alter. Insbesondere ist bei Vorhofflimmern das Risiko einer Herzinsuffizienz und thrombembolischer Ereignisse erhöht, wobei hier das Schlaganfallrisiko im Vordergrund steht. Zur Behandlung von Vorhofflimmern existieren medikamentöse und operative bzw. interventionelle Ansätze.

In großen prospektiven Studien konnte gezeigt werden, dass die interventionelle Therapie (Katheterablation) der medikamentösen Therapie überlegen ist. Trotz guter Erfolge bei der Behandlung gibt es jedoch eine Gruppe von Patienten (20 bis 30 Prozent), die nicht auf die Therapie mittels Katheterablation ansprechen und weiterhin unter Vorhofflimmern leiden. 

Ziel der geplanten Studie ist es deshalb, diese Gruppe besser zu charakterisieren. Es ist bekannt, dass die Ausprägung bestimmter struktureller Veränderungen am Herz einen Vorhersagewert für die mittel- und langfristige Prognose (d.h. Rezidivfreiheit) nach Katheterablation hat. 

Hierzu gehören z. B. die Größe des linken Vorhofes und die Pumpfunktion der linken Herzkammer. Vorhofflimmern selbst kann diese Veränderungen ungünstig beeinflussen (Vergrößerung des linken Vorhofes durch sog. „Remodelling“, Verschlechterung der linksventrikulären Pumpfunktion durch eine sog. „Tachymyopathie“). Umgekehrt kann sich eine erfolgreiche Behandlung des Vorhofflimmerns positiv auf diese Veränderungen auswirken. Dieser Vorgang wird als „reverse Remodelling“ bezeichnet.
Die dabei auf zellulärer Ebene ablaufenden Prozesse sind noch nicht abschließend verstanden und Gegenstand der Grundlagenforschung.

Die geplante Studie ist aufgrund ihres langen Beobachtungszeitraumes einzigartig und die kardiale MRT zählt als bildgebende Methode aufgrund ihrer hohen räumlichen und zeitlichen Auflösung zu den genauesten ihrer Art.

 

Priv. Doz. Dr. med. Charalampos Kriatselis erklärt im Gespräch die Durchführung der Studie:

 

Herr Dr. Kriatselis, wie viele Ärzte arbeiten in Ihrem Team und woran forschen Sie genau?

Wir sind zwei Oberärzte und zwei Fachärzte und bilden zusammen das "Rhythmusteam der Kardiologie" am Deutschen Herzzentrum. Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Behandlung von Herzrhythmusstörungen, insbesondere von Vorhofflimmern.

Was versteht man unter Vorhofflimmern?

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Das Herz schlägt unregelmäßig. Man muss sich das so vorstellen: Bei einem gesunden Herz wird im Sinusknoten im rechten Vorhof ein elektrisches Signal gebildet, das über ein Reizleitungssystem in die Herzkammer geleitet wird. Dort löst dieses Signal eine Muskelkontraktion und damit den Herzschlag aus. Beim Vorhofflimmern entstehen in den Herzvorhöfen viele kreisende elektrische Erregungen, die teilweise auch über das Leitungssystem in die Kammern geleitet werden. Dadurch kommt es zu unregelmäßigen Herzrhythmen und die Gefahr eines Schlaganfalls steigt.

Wer ist davon betroffen?

Meist sind ältere Menschen betroffen, vor allem wenn sie an langjährigen Hochblutdruck leiden. Bei den über 65jährigen sind ungefähr 10 Prozent von Vorhofflimmern betroffen. Es können aber auch wesentlich jüngere Menschen darunter leiden.

Wie wird das Vorhofflimmern behandelt?

Die Behandlung erfolgt durch Medikamente oder durch eine Operation, eine so genannte Ablation (Verödung). Bei der Operation wird ein Katheter über die Leistenvene ins Herz geführt und das Gewebe, welches Vorhofflimmern auslöst, verödet.

Was haben Sie mit Ihrer Studie, die von der Freundesgesellschaft finanziert wurde, konkret untersucht?

Wir wissen bereits, dass die Behandlung durch eine Ablation sehr gute Ergebnisse erzielt und einen größeren Erfolg hat als die Behandlung mit Medikamenten. 20 bis 30 Prozent aller Betroffenen, die mittels Katheter operiert werden, sprechen auf die Behandlung leider nicht an. Sie leiden weiterhin unter Vorhofflimmern. Um diese Patientengruppe geht es uns. Durch das Vorhofflimmern kommt es zu einer Vergrößerung beider Vorhöfe des Herzens und nicht selten zu einer Abschwächung der Pumpfunktion des Herzmuskels. Das nennen wir wissenschaftlich  „remodelling“.
Ziel unserer Studie ist zu bestimmen, inwieweit dieses „remodelling“ nach einer erfolgreichen Behandlung des Vorhofflimmers rückgängig ist, das heißt inwieweit  es zu einer Verkleinerung der Vorhofgröße und Verbesserung der Herzfunktion kommt. Aus der Größe des linken Vorhofs und der Pumpkraft der linken Herzkammern können wir Rückschlüsse auf das erneute Auftreten von Vorhofflimmern ziehen.
Bislang gibt es nur Studien, die einen relativ kurzen Zeitraum nach der Katheteroperation erfassen.

Wir wollten aber wissen, wie die Situation  fünf bis sieben Jahre nach der Ablation aussieht. Eine solche Studie konnten wir dank der Spende der Freundesgesellschaft durchführen. Dieses Forschungsprojekt ist einzigartig in Deutschland.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Wir haben an 50 Patienten ein Herz-MRT durchgeführt vor der Ablation und 5 bis 7 Jahre danach durchgeführt. Mit dem Herz-MRT können die Größe der Vorhöfe und die Pumpfunktion des Herzens am genauesten bestimmt werden. Ein Herz-MRT ist sehr kostspielig und aufwändig. Unsere eigenen finanziellen Mittel haben nicht ausgereicht. Erst mit Unterstützung der Freundesgesellschaft konnten wir die MRTs finanzieren.

Liegen schon erste Ergebnisse vor?

Momentan sind wir in der Auswertungsphase. Wir werden unsere Ergebnisse im Rahmen einer Doktorarbeit und durch weitere wissenschaftliche Arbeiten national und international publizieren.

Vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person: Priv. Doz. Dr. med. Charalampos Kriatselis ist verheiratet und lebt mit seiner Familie im Norden Berlins. Der gebürtige Grieche stammt aus der Stadt Drama und lebt seit 20 Jahren in Deutschland. Seine Facharztausbildung absolvierte er in Nürnberg, 2003 wurde er Oberarzt in Bayreuth, seit 2005 ist er im Deutschen Herzzentrum tätig. In seiner Freizeit entspannt Dr. Kriatselis beim Joggen, Squash oder Musizieren.